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Ist hier die Wiege der Giganten?

Da, wo ich herkomme, wäre die Antwort auf die Frage, wo man wirklich große Oryx findet, ganz klar: „…in der roten Kalahari“! Das ist vielleicht subjektiv, jedenfalls aber nah an der Wahrheit.  von Jean van Rooyen

W enn man über die roten Dünen wandert, wird man unweigerlich einige der großartigsten Exemplare der Art in Anblick bekommen. Es ist auch eine Tatsache, dass gelegentlich drei der Top 20 SCI und Rowland Ward Oryx Trophäen von einer einzigen Farm – Langvlakte – stammen. Man fragt sich natürlich, wie das in einem Land, das so groß und unbewohnt ist wie Namibia, möglich ist. Der amerikanische Jäger Randy Zwagerman, der hier im Mai 2013 einen 45 2/8 Zoll (114,6 cm) Oryx erlegt hat, kommentierte, es sei nicht der größte gewesen, den er im Zielfernrohr hatte. „Einer der Gründe, den wir für ursächlich dafür halten, ist, dass wir keine Trophäen-Kühe auf dieser Farm schießen,“ meint Berufsjäger Hendrik Kotzé.

Eine weiterer Grund liegt vielleicht in der Tatsache, dass auf der Farm Langvlakte niemals kommerzielle Viehzucht betrieben worden ist. Immer war dies eine Wildfarm ohne interne Zäune, mit gut gehegtem Wildbestand und Trophäenjagd.

Ich erinnere mich gerne an meine Jugend, als ich die Schulferien bei meinem Großvater Jan auf Langvlakte verbracht hat. Wir saßen jeden Abend draußen am Feuer unter dem Sternenhimmel und lauschten den Erzählungen des Großvaters von Jagdabenteuern vergangener Zeiten.

In den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts begann mein Großvater als junger Händler Handelsreisen nach Mier, in der Nähe von Rietfontein im Nord-Kap, bei Hakskeenpan und Philandersbron, wo er später auch eine Farm erwarb und eine Handelsstation eröffnete, zu unternehmen. Einmal im Monat machte er sich auf den langen Weg, der über Upington, direkt am anderen Ufer des Orange, führte, wo er vor allem Horn und Häute gegen Grundbedarf wie Maismehl, Zucker, Salz und Medikamente für seine Handelsstation einhandelte. Er berichtete uns von einer Gegend in der roten Kalahari, die, wie erzählte, sich von Januaries Kop bis zu den Pfannen von Uigenap erstreckte und wo sich die „King George -“ oder „Post-Office-Bake“ befindet. Zu jener Zeit gab es keine Zäune und diese Baken waren die einzigen Orientierungspunkte auf einer Jagdreise. Er erzählte weiter, dass man in dieser Gegend immer eine Anzahl spezieller Oryx Herden fand, die die längsten Hörner trugen, die man sich überhaupt vorstellen konnte. Anscheinend haben sie diese Gegend niemals verlassen.

Viele Jahre später, nach dem 2. Weltkrieg, kaufte sein Sohn, mein Vater Basson, Professor für Augenheilkunde am Tygerberg Hospital in Kapstadt, zusammen mit Partnern Langvlakte. 1962 wurde er alleiniger Eigentümer.

Es war mein Vater, der mir von einem 50 Zoll (127 cm) Bullen erzählte, den er erlegt hatte und dessen Hörner nicht weit von der Uigenap Salzpfanne vergraben waren. Zu der Zeit grassierte die Maul und Klauenseuche und es war verboten Häute oder Hörner über die Grenze zu bringen. Die Hörner sollten also zu einem späten Zeitpunkt geborgen werden.

Bis zu seinem Tode 1999 ließ ihn der Gedanke nicht los, diese Ausnahmetrophäe wiederzufinden und seine Behauptung zu beweisen. Immer wieder sprach er davon eine systematische Suche zu unternehmen, aber es kam am Ende niemals dazu. Vielleicht wird der Wind die Hörner eines Tages freilegen und wir finden die Bestätigung für seine legendäre Geschichte. Vorausgesetzt, die Termiten waren am Ende nicht schneller.

Kürzlich abgehaltene Versteigerungen auf der Wild für Farmer aus anderen Gegenden Namibias angeboten wurde, machte das außergewöhnliche genetische Potential dieser Oryx-Population deutlich. Ich bin überzeugt, dass die Einführung dieses erstklassigen Erbguts in ihre Zuchtherden nicht nur zu nachhaltigem Naturschutz durch Trophäenjagd gehört, sondern dass auf diese Weise der Gen-Pool typisch namibischer Wildarten auch verbessert wird.

Oben auf einer roten Düne in der Kalahari zu liegen und vertraute Herden von Oryx zu beobachten gehört wahrscheinlich zu den ganz besonderen Augenblicken im Leben eines Jägers. Es obliegt uns Wildfarmern in Namibia, diesen Schatz zu hüten, damit auch unsere Enkel sich noch an der Jagd auf die Giganten unter den Oryx erfreuen können.

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Das Langvlakte Camp in den 1960zigern.
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Eine Jagdgruppe auf Farm Langvlakte in den 1960zigern.
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Ein Oryx in der Kalahari.
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Jean und Sophia van Rooyen mit der früheren SCI Nr. 3 und Nr. 7.
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Randy Zwagerman mit seinem 45 2/8 Zoll Oryx Bullen.
Dieser Artikel wurde erstmals in der 2014 Deutsch-Ausgabe von HUNTiNAMIBIA veröffentlicht.