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Die Jagd auf gefährliches Wild
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Ein Leben in der Wildnis birgt gefahren

Haupt Foto ©Dirk de Bod

Die Zerstörung und Verdrängung der unberührten Natur ist eines der vorherrschenden Themen unserer Zeit. Ein Großteil der Menschheit verspürt das unbedingte Bedürfnis ursprüngliche Natur zu erleben. Da wirklich intakte, naturbelassene Gebiete in den westlichen Industrieländern praktisch verschwunden sind, spielt der Tourismus in solche Länder, wo noch echte Wildnis zu finden ist, eine wichtige Rolle. Von Kai-Uwe Denker

D abei übersieht der Tourist häufig, welche Konsequenzen für Menschen, die in der Wildnis leben, mit einem solchen Leben einhergehen, wenn er sich an einer Diskussion um Konzepte zum Erhalt der unberührten Natur beteiligt.

Tatsächlich werden viele Entscheidungen in diesem Zusammenhang am grünen Tisch getroffen, fernab jener Menschen die wirklich die Zusammenhänge kennen. Dabei spielt die Erörterung des Für und Wieder der regulierten Jagd eine ständige, gewichtige Rolle in den Diskussionen. Man scheint vergessen zu haben, daß die Gesetze des Jägers und des Gejagten unabdingbarer Teil der Natur sind.

Als vor einiger Zeit ein Braunbär auf alten Wechseln, quasi als Irrgast, nach Deutschland eingewandert war, fand das arme, potentielle gefährliche Tier sich wochenlang an prominenter Stelle der täglichen Berichterstattung wieder und mußte schließlich beseitigt werden.

In den ländlichen Gebieten Afrikas muß sich die einheimische Bevölkerung fast täglich mit mehreren Wildarten auseinandersetzen, die nicht nur eine Bedrohung für den landwirtschaftlichen Ertrag, sondern tatsächlich eine tödliche Gefahr für die Menschen selbst darstellen können. Alljährlich kommt es in Namibia unter der einheimischen Bevölkerung zu Todesfallen durch Wildtiere, vornehmlich durch Elefanten, Krokodile und Flußpferde, seltener auch durch Löwen, Leoparden und Büffel.

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Foto ©Paul van Schalkwyk

Wenn es gelingen soll gefährlichen Wildtieren einen Lebensraum zu sichern, müssen pragmatische Konzepte her. Dabei spielt die nachhaltige Trophäenjagd eine wichtige Rolle. Sie gibt den Wildtieren einen finanziellen Wert, sie entschädigt für Verluste an Vieh und Ernteertrag und sie versichert, daß man sich gefährlicher Problemtiere auf professionelle Weise entledigen kann – und das kann immer noch gefährlich genug sein, wie sie an anderer Stelle in dieser Zeitschrift lesen können.

Ueber die Jahre sind in meiner Erinnerung eine Reihe besonders dramatischer Fälle haften geblieben.

Ein Verwaltugnsbeamter der Stadt Katima Mulilo saß an einem Sonntagnachmittag mit Freunden anlässlich eines Picknicks am Ufers des Sambesi im Caprivizipfel und hatte die Füße in Richtung des nahen Ufersaumes ausgestreckt, als ein riesiges Krokodil mit dem Vorderleib aus den Fluten des friedlich dahinplätschernden Flusses schnellte, den Ahnungslosen an den Füßen packte, blitzschnell ins Wasser zerrte und gemeinsam mit seinem Opfer unter der Oberfläche des Flusses verschwand, der bald wieder so friedlich dahinplätscherte, als sei nie etwas geschehen.

Ebenfalls auf dem Sambesifluß in dem Caprivizipfel paddelte ein Touristenpärchen (eine Deutsche mit ihrem amerikanischen Freund) in einem leichten Boot umher, als sie eine kleine Flußpferdgruppe gewarten, die sich scheinbar friedlich an der Wasseroberfläche sonnten. Um die Idylle aus der Nähe genießen zu können, paddelten die Beiden etwas näher heran, ohne zu bemerken, daß ein Flußpferdbulle lautlos untergetaucht war und dem Böotchen unter der Wasseroberfläche entgegen kam. Dies bemerkten die entsetzten Touristen erst, als der weit geöffnete Rachen des Flußpferdbullen plötzlich unter ihrem Boot im klaren Wasser zu erkennen war und Sekunden später im aufschäumenden Wasser um das Boot zusammenklappte. Dabei erlitt die Touristin schwere Bißwunden im Unterleib. Zwar konnten sich die Beiden auf eine nahe Insel retten, doch verblutete die Frau kurz darauf an den furchtbaren Wunden, die die Zähne des Flußpferdbullen geschlagen hatten.

Ein San war an einem späten Vormittag des Jahres 2008 auf dem Weg zu einem Nachbardörfchen im Buschmannland im Osten Namibias, um Familienangehörige zu besuchen. Er hatte das Nachbardörfchen entlang eines schmalen Fußpfades fast erreicht, war bereits in Hörweite und konnte das Schwatzen der Frauen und das Lachen der spielenden Kinder vermutlich bereits vernehmen als er um eine kleine Biegung kommend, plötzlich einem Elefanten gegenüberstand. Der Elefant, der sich möglicherweise zwischen dem Dorf und dem ihm entgegenkommenden Fußgänger in die Enge gedrückt wähnte, griff augenblicklich an, holte den Davonrennenden ein und zertrampelte ihn in furchtbarer Weise.

Ein Farmer im Norden Namibias hatte einen Leoparden, der unter seinem Vieh zu Schaden ging, schließlich in einem Tellereisen gefangen. Als er der Raubkatze mit einem Farmangestellten nachging, wurde er unvermutet blitzschnell angegriffen und von dem wütenden Raubtier schwer verletzt. Er brach die Suche ab, bat seinen Bruder telefonisch, sich gemeinsam mit dem Farmerangestellten der Beseitungen des Viehräubers anzunehmen und begab sich zur Behandlung seiner Wunden ins Krankenhaus.

Abermals wurden die Verfolger plötzlich von dem gereizten Leoparden angegriffen, der sich diesmal auf den Farmangestellten stürzte und diesen tödlich verletzte, bevor es dem Farmer gelang das Raubtier schließlich zu erschießen. Der dramatische Hergang und die Aufregung führten jedoch dazu, daß auch der Farmer kurz darauf an einem Herzinfakt verstarb.

Eine kleine Auslese an tragischen Unfällen mit potentiellen gefährlichen Wildtieren, wie sie sich in einer oder anderen Form fast wöchentlich irgendwo in Afrika abspielen. Die Bevölkerung wächst und der Lebensraum der Wildtiere wird ständig kleiner. Der Löwe beispielsweise, gerät immer stärker in den Kreis jener Tierearten, die akut bedroht sind – nicht etwa weil er bejagt wird – nein, ganz im Gegenteil, weil sein Lebensraum schwindet und der deshalb ständig in Konflikt mit Viehzüchtern und anderen Menschen kommt.

Dieser Artikel wurde erstmals in der 2013 Deutsch-Ausgabe von HUNTiNAMIBIA veröffentlicht.