Die Jagd auf gefährliches Wild
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Nashorn greift an

Haupt Foto ©Paul van Schalkwyk

Ein anderer Zwischenfall der den „böse-Überraschung-Faktor“ zeigt, der mit Begegnungen mit gefährlichem Wild einhergeht, ereignete sich kürzlich auf einer an den Etosha Park angrenzenden Farm. Von Ralf Kröling

D ie Farm nimmt am Programm der Regierung zum Schutz des schwarzen Nashorns teil und beherbergt drei ausgewachsene schwarze Nashorn Bullen.

Am Morgen des 21. Juni war Tim Osborne, ein sehr erfahrener Berufsjäger, mit einem Jagdgast auf der Antilopen-Jagd. Unterwegs entdeckte Tim eine Fährte und auch Losung vom schwarzen Nashorn, die jedoch bereits ca. eine Woche alt waren. Kurz danach, rund 50 Meter weiter, entdeckte Tim plötzlich einen Nashorn Bullen, der ungefähr 10 Meter entfernt im Dickicht stand. Aufgrund des starken Windes konnte der Bulle die Jäger zwar sehen, aber nicht wittern. Nashörner meiden menschliche Witterung und normalerweise wäre der Bulle der Störung wohl ausgewichen. Unter diesen Umständen aber griff er unvermittelt mit aller Macht an. Tim konnte seinen Gast noch hinter einen Baumstamm in Deckung stoßen und suchte, da kein weiterer Baum in der Nähe war, sein Heil in der Flucht. Der Bulle erreichte ihn jedoch in Sekundenbruchteilen – und von dem Augenblick an ist seine Erinnerung nur noch bruchstückhaft. Das Nashorn stieß ihn nieder und zertrümmerte seinen Brustkorb. Dann spießte ihn der Bulle auf sein Horn und warf ihn hoch in die Luft. Nach der harten Landung mit dem Rücken auf dem felsigen Untergrund blieb er benommen liegen, während das Nashorn etwa 50 Meter entfernt verharrte. Der Jagdgast kam ihm zu Hilfe und fragte, ob er in Ordnung sei. Nach seiner Aussage war Tim‘s Antwort: „das sah sicher toll aus!“ Der Rücksack hatte beim Sturz seinen Rücken geschützt, das Becken aber war mehrfach gebrochen und die Rippen auf einer Seite komplett vom Brustbein abgerissen. Die gefährlichste Verletzung aber war die offene Bauchdecke durch die die Eingeweide herausgedrückt waren.

helicopter

„Das Nashorn stieß ihn nieder un zertrümmerte seinen Brustkorb. Dann spießte ihn der Bulle auf sein Horn und warf ihn hoch in die Luft.“

Glücklicherweise waren das Handy und das GPS noch funktionsfähig, so dass Tim‘s Frau Laurel sofort verständigt werden konnte. Sie übernahm augenblicklich die Organisation der Rettung ihres Mannes. Laurel wusste von einer Wildfang Firma in der Nähe, die eine Staffel von fünf Hubschraubern betreibt, leider war keiner davon erreichbar bzw. verfügbar. Schließlich erreichte sie Expedite Air in Tsumeb, deren Jet Long Ranger Rettungs-Hubschrauber sofort startete.

Inzwischen lag Tim immer noch auf den Felsen und die Sonne brannte auf ihn herunter. Sein Jagdgast tat sein Möglichstes, um ihm Schatten zu spenden und ihn zu beruhigen, dabei immer den Nashorn Bullen im Blick behaltend, der sich immer noch in der Nähe aufhielt. Nach etwa einer Stunde erreichten Helfer von der Farm die Unglücksstelle. Erst jetzt, gestört durch die Fahrzeuge, zog der Bulle ab.

Durch direkten Kontakt per Handy und die GPS Koordinaten konnte der Hubschrauberpilot präzise eingewiesen werden und landete um 14:30 Uhr unmittelbar bei dem Verletzten. Der Rettungssanitäter an Bord ergriff sofort die nötigen Maßnahmen um Tim zu stabilisieren. Nach einer Sauerstoff-Gabe und einem Tropf war er transportfähig und wurde ca. 20 km nach Epacha, der nächsten Landebahn, die ein Ambulanz-Flugzeug anfliegen kann, ausgeflogen. Eine SOS King Air wartete dort bereits und nach einer weiteren Stunde wurde Tim in die Notaufnahme im Römisch Katholischen Krankenhaus in Windhoek eingeliefert. Nach zwei Wochen auf der Intensiv-Station und vielen bedrohlichen Komplikationen besserte sich schließlich Tim‘s Zustand. Bei seiner Rückkehr auf die Farm konnte er bereits an Krücken laufen und heute unternimmt er regelmäßig Spaziergänge von zwei Kilometern Länge.

NASHORNSCHUTZ GANZ PRAKTISCH!

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Mit der Unterstützung lokaler Gemeinschaften und Naturschutz-Organisationen startete die namibische Regierung 1993 das Nashorn-Patenschaftsprogramm.

Das Programm basiert auf der Grundlage, das die Nashörner zwar im Eigentum der Regierung bleiben, die örtlichen landeigentümer und traditionellen Führer jedoch für den Schutz, die Überwachung und die Fürsorge der Tiere verantwortlich sind.

Sowohl der Bestand an Breitmaul – als auch Spitzmaul-Nashörnern hat sich in Namibia seit Beginn dieses Programms erfreulich erholt. Heute beherbergt Namibia eine der größten Populationen an Spitzmaul-Nashörnern weltweit.

Das Patenschaftsprogramm hat den Nachweis erbracht, dass die Übertragung der Verantwortung für bedrohte Tierarten in private oder kommunale Hand ein rettendes Instrument für den Schutz dieser Arten sein kann.

Der Schlüssel liegt in der Wertschöpfung. Der Gewinn aus dem Tourismus, der durch ein lebendes Nashorn zu generieren ist, ist ganz einfach um ein Vielfaches höher, als der Nutzen eines gewilderten Tieres.

Offensichtlich funktioniert das Prinzip. Von rund 50 Exemplaren zu Beginn der 80-ziger Jahre, haben sich die Bestände beträchtlich erhöht, und wachsen weiter an. Kein Wunder, dass Namibia heute weltweit das Top-Reiseziel für die Nashorn Beobachtung ist.

Weiterführende Informationen unter www.travelnewsnamibia.com

Dieser Artikel wurde erstmals in der 2013 Deutsch-Ausgabe von HUNTiNAMIBIA veröffentlicht.